Dienstag, 12. Januar 2016 Kölner Stadt-Anzeiger

Aufatmen nach dem Tastengewitter

KUNSTSALON Pianistin Ketevan Sharumashvili in der Gelben Villa in Kendenich

VON HANNA STYRIE

Hürth-Kendenich. Der Kunstsalon der Gelben Villa in Kendenich bietet ein charmantes Ambiente für Kammerkonzerte im intimen Rahmen. Am Samstag war hier Ketevan Sharumashvili zu Gast, die den Besuchern eine musikalische Sternstunde bescherte. Die im georgischen Tiflis geborene Pianistin war Preisträgerin vieler internationaler Klavierwettbewerbe. Dass sie bei der Weimarer Meisterklasse 2012 den Publikumspreis gewann, verwundert nicht: Die grazile Musikerin mit den dunklen Locken zieht ihre Zuhörer mit glänzender Technik und der Intensität ihres Spiels unmittelbar in Bann. Ihr bescheidenes, zurückhaltendes Auftreten wirkte angesichts ihres überragenden Könnens besonders sympathisch. Schnell war klar, dass sie sich völlig uneitel ganz in den Dienst der Musik stellt. Mit Mozarts unbeschwerter Sonate KV 311 in D-Dur leitete Ketevan Sharumashvili den Abend ein. Leichthändig und in raschem Tempo flossen ihr die drei Sätze aus den Händen, bei denen sie ein erstes Beispiel ihrer Spielfreude und Virtuosität gab. Im Andante con espressione betörte sie mit anmutigen Melodien und Harmonien, dem Rondo verlieh sie berückende Leichtigkeit und Eleganz. Dann war es vorbei mit den freundlichen hausmusikalischen Klängen. Mit Franz Liszt schlug die 30-jährige Solistin ein ganz anderes Kapitel auf. Die „Dante-Sonate“, das Schlussstück aus dem zweiten Band der „Années de Pèlerinage“, die Liszt nach der Lektüre der „Göttlichen Komödie“ komponiert hat, beschreibt effektvoll den wilden Ritt der Seele zur Hölle. Ketevan Sharumashvili blieb dem Werk nichts schuldig und entfesselte mit kraftvoll-dynamischem Zugriff ein meisterlich durchdachtes Tastengewitter, in dem die kompositorische Raffinesse zu schönster Geltung gelangte. Mit Verve versenkte sie sich in den komplexen Liszt´schen Klangkosmos. Ein Aufatmen ging durch den Saal, als das Stück mit einigen versöhnlichen Akkorden endete. Alles andere als pianistische Leichtkost ist auch Robert Schumanns „Kreisleriana“, eine Folge von acht fantastischen, teils skurrilen Klavierfantasien. Die Pianistin konnte dort alles aufbieten, was ihr an Fähigkeiten zu Gebote steht. Konzentriert, präzise und überaus einfühlsam war ihre Interpretation. Hier trumpfte Ketevan Sharumashvili mit manuellen wie mit gestalterischen Fähigkeiten auf. Jedes Stück wurde in seinen Emotionen durchlebt und erlitten; der Höchstgrad an Fantastik war im unheimlichen Schlussstück erreicht. Völlig zu Recht wurde die junge Interpretin nach dieser brillanten Leistung mit Beifall überschüttet. Das Schubert-Lied „Leise flehen meine Lieder“ in der Bearbeitung von Franz Liszt bot nach diesen Gefühlserschütterungen einen angenehm besänftigenden Abschluss.

KetiInConcert